Online Forschung - das Wiki



Kinsey und seine Methode

Filed under: Allgemein, Geschichte – martin am 8. April 2005 um 13:42

War gestern im Hollywoodstreifen Kinsey (http://www2.foxsearchlight.com/kinsey/site/) und da geht es neben verschiedenen anderen Dingen ;-) natürlich vor allem um empirische Sozialforschung. Ich fragte mich, ob Kinsey - wenn er denn die Möglichkeit gehabt hätte - die Online-Befragung eingesetzt hätte. Insbesondere wegen der extrem heiklen Fragen und des anzunehmenden hohen Interviewer-Einflusses hätte dies vermutlich Sinn gemacht. Seine Probanden waren zudem über das ganze Land verteilt. Andererseits waren die Interviews sehr lang, das wäre online weniger praktikabel gewesen.

Unter http://www.indiana.edu/~kinsey/research/ak-data.html gibt es einige Infos zur Methode und zum Sample:

“Kinsey used in-depth, face-to-face interviews by highly trained interviewers. In each history a subject would be questioned on up to 521 items, depending on his/her specific experience (the average in each case being near 300). Histories covered social and economic data, physical and physiologic data, marital histories, sexual outlets, heterosexual histories, and homosexual histories. ” Und zum Sample:
“5300 white males and 5940 white females provided almost all the data, with the majority of participants being younger white adults with some college education. Kinsey tried to compensate for volunteer bias in his sample by interviewing 100% of the individuals available in a given organization or group. Approximately 25% of the sex histories came from these 100% groups. (Kinsey did not believe a random sample was possible.) “

Das ist m.E. interessant: Um die Effekte der Selbstselektion zu vermeiden, wurden die Interviews von Gruppen aus Organisationen zugemischt, die zu nahezu 100% befragt werden konnten. Das ist vergleichbar mit einem Mix aus einer Online-Befragung, deren Teilnehmer per Banner rekrutiert wurden und einer Befragung in einem Unternehmen oder einer Behörde, wo die Leute quasi gezwungen waren, mitzumachen. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist?

GOR05 Vernetzung und Nachberichte

Filed under: Allgemein – Lorenz Gräf am 6. April 2005 um 22:02

Die GOR05 ist vorbei. Die meisten Teilnehmer sind aus den Osterferien zurückgekehrt. Zeit für ein wenig Nachbetrachtung zur GOR.

Was auffällt ist, dass es schwierig ist, an die Folien und Texte der Beitragenden zu kommen. Vieles war interessant, nicht alles konnte man mitschreiben, und jetzt ein paar Tage später würde man gerne noch einmal einen erläuternden Text oder wenigstens die Folien zur Hand haben.

Es ist ja auch einiges vorhanden. Zumindest habe ich von einigen Autoren Folien erhalten oder Hinweise auf weiterführende Infos, die irgendwo im Netz stehen. Leider nicht vernetzt.

Ich will daher hier so eine Art Netzknoten schaffen, um allen, die das möchten, eine Anlaufstelle zu geben, einen Hinweis auf ihren Beitrag zu hinterlassen. Also hinterlasst einen Kommentar und teilt mit, wo Eure Folien, Notizen, Berichte etc. zu finden sind.

Als Starthilfe die beiden Links zur GOR selbst:

Und als Berichterstattung von der GOR Jan Schmidts Originalberichte von der GOR O5

Matrixfragen vermeiden oder überlegt einsetzen?

Filed under: Methodenforschung – Lorenz Gräf am 31. March 2005 um 23:20

Auf der GOR05 sah ich ein Poster, das sich mit der Darstellung von Fragen auf einer oder mehreren Bildschirmseiten beschäftigte. In diesem Kontext wurde eine frühere Arbeit von mir als Ausgangspunkt genommen (was mich sehr gefreut hat :-) ). Allerdings, die These, die ich damals vertrat (nämlich, dass man auf Matrixfragen verzichten sollte), vertrete ich inzwischen nicht mehr. Und auch den Alternvativvorschlag, wie man mit Matrixfragen umgehen sollte, empfehle ich nicht mehr.

1997, in den Anfangsjahren der Online Forschung, hatte ich mit dem Pretest-Team an der Uni Köln herausgefunden, dass sich Matrixfragen sehr schlecht beantworten lassen. Das war aber noch in einer Zeit als die meisten Umfragen als Endloskette auf einer einzigen HTML-Seite gestaltet wurden. Unter diesen Umständen war es fast immer so, dass der Einleitungstext einer Matrixfrage und meistens auch die Skalenüberschriften bei der normalen Beantwortung eines Fragebogens (nämlich nach unten scrollend) nicht mehr zu sehen waren. Matrixfragen in solchen Settings waren richtiggehend wertlos. Falls das jemanden interessiert, ich habe da alte Fragebögen im Endlosdesign, die ich mal zeigen könnte.

Die Befunde aus dem Pretest-Studio habe ich auf der GOR97 vorgestellt. Bis dann der Tagungsband endlich erschien, war es 1999. Und 1999 und in den Folgejahren hatten wir alle längst gelernt, dass die gute Online Umfrage aus einer Folge von HTML-Seiten besteht und dass auf den einzelnen Fragebogenseiten das Scrollen vermieden werden sollte. Die veränderte Befundlage verarbeitete ich in einem Vortrag für die GOR01 in Göttingen und hielt dort ein Plädoyer für den überlegten Einsatz von Matrixfragen. Kernaussage: Matrixfragen sind sinnvoll. Matrixfragen sollen auch eingesetzt werden. Aber Matrixfragen müssen mit guter Planung eingesetzt werden.

Allerdings, kann ich niemanden so wirklich vorwerfen, dass meine veränderte Einschätzung von Matrixfragen auf der Basis des veränderten Einsatzes nicht bekannt geworden ist. Leider gab es 2001 keinen Tagungsband mehr und ich hätte wohl auch nicht die Zeit gehabt, einen Artikel zu schreiben. Damit aber nun bekannt ist, wie meine Meinung zu Matrixfragen ist und welche Matrixfragen gut sind, habe ich meine damaligen Folien ausgegraben und heute auf meine Homepage gestellt. Wen es interessiert, der findet nun die Folien zu meinem damaligen Vortrag. Der Titel damals hiess Optimierung von WWW-Umfragen Three Years after.

Hmh, der Vortrag war 2001, der erste Vortrag fand 1997 statt, ergibt eigentlich vier Jahre. Egal, aus der damaligen Sicht waren ja erst drei komplette Jahre vergangen. Übrigens die Forschungsarbeit, die auf der GOR05 meinen damaligen Artikel rezipierte, werde ich noch vorstellen, sobald ich ein paar Unterlagen dazu erhalten habe.

Umfragen: Befragungs- und Formulierungstechnik

Filed under: Qualitätssicherung – Lorenz Gräf am 28. March 2005 um 20:39

Im Blog Umfragen.info wird zusätzlich zu unserer Pretest-Klassifikation eine juristische Ausarbeitung aus der Kanzlei von Prof. Schweizer vorgestellt. Prof. Schweizer ist der maßgeblicher Jurist in der Marktforschungsbranche. Er vertritt den ADM und die Mehrzahl der ADM-Institute in Streitfällen. Für Zeitschrift “der Syndikus” hat seine Kanzlei einige Fehlerquellen zusammengestellt und anhand von Beispielen ausgeführt. Aufgelistet werden 43 Paragraphen. Bei ersten Überfliegen habe ich Zweifel, ob das dort Aufgeschriebene weiter hilft. Ich werde mir in der nächsten Zeit mal das Original ansehen und dann noch mal berichten.

Die erste FAQ von Bernad Batinic

Filed under: Geschichte – Lorenz Gräf am 26. March 2005 um 1:04

Als Beitrag zur Geschichtsschreibung habe ich Bernads allererste FAQ zum Thema Umfragen ausgegraben. Geschrieben hat er das am 25.02.1995, also vor mehr als 10 Jahren, das wäre echt ein Gläschen Sekt wert gewesen, oder Bernad? ;-)
Wie immer, die Lektüre lohnt sich, auch nach 10 Jahren.
(Mehr …)

GOR05 - Ein Riesenerfolg

Filed under: Allgemein, Tagungen – Lorenz Gräf am um 0:49

Hallo Zürich,

das war wirklich toll :-)

Ihr habt eine Super-Konferenz realisiert. Die Location war perfekt. Kurze Wege zu allen Veranstaltungsräumen, ein zentraler Marktplatz zum Unterhalten und Diskutieren, ansprechende Aussteller-Stände. Man hatte den Eindruck, die GOR05 ist das Herz der Online Forschung.
(Mehr …)

Der Onfo - Blog startet

Filed under: Allgemein – Lorenz Gräf am 20. March 2005 um 20:36

Willkommen zum Blog auf Online-Forschung.de .

Dieser Blog will eine Börse für Ideen und Neuigkeiten im Bereich der Online Forschung sein. Er ergänzt damit die zentrale Mailingliste GIR-L. Diskussionen werden hier ebenso schnell entstehen wie auf der GIR-L, doch sie werden strukturierter und vernetzter sein.

Wir starten hier in diesem Blog erst ein bisschen konservativ und werden erst im kleinen Kreis diskutieren. Wenn sich Thema, Stil und Kommentierungsgewohnheiten ausentwickelt haben, wird die Kommentierung und Beteiligung an diesem Blog über den Anfangskreis hinaus erweitert.

Ich freue mich auf reges Interesse :-)

Pretest Klassifikationsschema

Filed under: Allgemein, Qualitätssicherung – Lorenz Gräf am um 20:29

Ein sehr schönes Klassifikationsschema verstaubte seit 1997 auf meiner Festplatte. Damals 1997 machte ich mir mit einer universitären Arbeitsgruppe viele Gedanken zur Qualitätssicherung von WWW-Fragebögen. Aus dieser Zeit sind einige Vorträge und Artikel von mir bekannt geblieben, die internen Ansätze zur Entwicklung eines Pretest-Standards sind aber bis heute unbekannt geblieben. Die Lektüre der Details lohnt sich. (Mehr …)

Rettung von Originaldokumenten

Filed under: Geschichte – Lorenz Gräf am um 17:24

Verständlich zwar, doch irgendwann muss auch die Geschichtsschreibung zu ihrem Recht kommen. Die Szene der Online Forscher geht bisher recht unbekümmert mit ihrer Geschichte um.

Ein Beispiel? Die Konferenzseiten zur GOR 1997 liegen noch immer auf dem Server der AG-Infosoc an der Uni in Köln. Doch längst hat sich die AG aufgelöst und dieser Server wird von studentischen Enthusiasten der Fachschaft Soziologie verwaltet. Was ist also zu tun? Die DGOF sollte im Rahmen des Relaunch der Web-Site ein Archiv anlegen und in diesem Archiv die damaligen Seiten abspeichern. Ich werde vor meinem Ausscheiden als Schatzmeister den entsprechenden Vorschlag machen.